„Science Slam“ am ‚Anna‘ – W-Seminar-Abend 2018

Wie nunmehr schon Tradition am Gymnasium bei St. Anna veranstaltete die Societas Annensis am 31. Januar 2018 die Präsentation ausgewählter W-Seminar-Arbeiten angehender Abiturienten/-innen. Schulleiter Peter Schwertschlager begrüßte die zahlreich erschienenen Mitschüler/-innen, Lehrkräfte, Eltern und Mitglieder der Societas Annensis und stellte die neun nominierten Schüler/-innen mit ihren Kursleitern/-innen kurz vor. Alle Nominees würdigte der Schulleiter im Anschluss mit Anerkennungspreisen in Form von Büchergutscheinen. Den Abend moderierte souverän und inspirierend in bewährter Weise Frau Dr. Barbara Gerckens, Vorstandsmitglied der Societas Annensis.

Wissenschaft – Verantwortung – Technik: Um Vielfalt und Aktualität zu bieten, waren vorab aus den neun nominierten, mit sehr gut bewerteten Arbeiten für den Science Slam ausgewählt worden:

Philipp Saalfrank: Aortenklappenstenose bei Menschen – Physiologische Grundlagen und Therapiemöglichkeiten

Luna Schafitel: „Havarie“ von Merle Kröger – Eine kriminalliterarische Annäherung an Flucht und Vertreibung

Maximilian Höfle: Möglichkeiten der Modernisierung des deutschen Fernverkehrs

Faszinierende Einblicke in die Welt der modernen Medizin bot der erste Referent des Abends, Philipp Saalfrank. Nach einer kurzen Einführung in die physiologischen Grundlagen zu Aufbau und Funktionsweise des Herzens wandte er sich den Behandlungsmöglichkeiten der Klappenstenose zu. Dabei standen die operativen Methoden im Vordergrund. Mit anschaulichem Bildmaterial erläuterte und dokumentierte er zunächst eine von ihm selbst durchgeführte Sezierung und Präparation eines Schweineherzens, sodann die von ihm begleiteten invasiven Verfahren, eine Klappenimplantation am offenen Herzen sowie eine transapikale und transfemorale Implantation, die in einem Spezial-OP bzw. in einem Herzkathederlabor durchgeführt werden müssen. Welcher Patient für das jeweilige Verfahren in Frage kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab; besser jedoch, man kann diese Wahl vermeiden und sich vor Krankheiten des Herzens schützen. Dazu ein abschließender humorvoller Tipp des Referenten: „Lachen ist die beste Medizin!“

„Tolle, lege!“ Dazu forderte indirekt die zweite Referentin des Abends auf: Luna Schafitel analysierte Merle Krögers Roman Havarie, einen Krimi über die Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer, den man nur mit einem erweiterten Genrebegriff der Kriminalliteratur zuordnen kann. Zwei Menschen sterben, keiner wird ermordet, ermittelt wird nicht – wen sollte man auch anklagen? Dieser „doku-fiktionale Spannungsroman“, wie ihn die Referentin bezeichnete, handelt von Flüchtenden und Vertriebenen, deren Schicksal sich auf dem Mittelmeer kreuzt. Was passiert, als ein Kreuzfahrtschiff, die „Spirit of Europe“, ein algerisches Schlauchboot voller Flüchtlinge, dem das Benzin ausgeht, ein spanischer Seenotretter und ein Frachter unter ukrainischem Kommando aufeinandertreffen, beschreibt die Autorin ausnahmslos aus der Perspektive der involvierten Personen, die die Referentin an diesem Abend lebendig werden ließ: beispielsweise den syrischen Arzt und Flüchtling Marwan, der sterben wird, den algerischen Schlepper Karim, dem dieser Job einen Ausweg aus der Jugendarbeitslosigkeit in seiner Heimat eröffnete, oder die reiche Jüdin Sibylle, die unter der Ignoranz der anderen Passagiere durch ihre Solidarität hervorsticht. Wie die Autorin den Spuren ihrer Figuren folgt ohne dabei dem Leser eine Haltung aufzuzwingen, veranschaulichte Luna Schafitel durch Bild und Zitat und machte allen Zuhörern klar: Jeder Flüchtling hat eine Geschichte.

Augsburg 1893: Rudolf Diesel erfindet einen selbstzündenden Verbrennungsmotor – jeder LKW fährt heute mit Dieselmotor und die Zahlen im Fernlastverkehr steigend stetig. Maximilian Höfle analysierte als dritter Referent des Abends die Möglichkeiten der Modernisierung des deutschen Fernverkehrs und verglich im Hinblick auf Kosten, Kraftstoffverbrauch und Co 2-Ausstoß sowie juristische Vorgaben drei Alternativen: das Platooning (mehrere Fahrzeuge fahren mit Hilfe eines technischen Steuerungssystems in sehr geringem Abstand hintereinander), den Einsatz von Lang-LKWs und den eHighway – in Schweden bereits Realität, in Deutschland soll Ende 2018 auf der A5 eine erste Textstrecke eingerichtet werden. In Berechnungen, Recherchen und Interviews kamen Vor- und Nachteile aller drei Varianten zu Sprache, Favoriten des Referenten waren letztendlich Platooning und eHighway. Dem aufmerksamen Zuhörer stellte sich dabei doch die Frage: Gibt es Alternativen zum zunehmenden Fernlastverkehr? Wird Willie Nelson auch im 21. Jahrhundert noch sein sehnsuchtsvolles Lied singen: On the road again?

Im Anschluss an die jeweils zwanzigminütige Präsentation stellten sich die Referenten/-innen interessierten Nachfragen des Publikums. Nach der Stimmabgabe für den individuellen Favoriten und einer anschließenden kurzen Pause gab Frau Dr. Gerckens die Sieger des Abends bekannt und ehrte sie mit einem Geldpreis der Societas Annensis. Das Publikum würdigte Luna Schafitels vorbehaltlose Empathie für die Flüchtenden und Fluchtopfer mit einem dritten Platz, belohnte Maximilian Höfles vielfache Recherchen und Interviews mit einem zweiten Platz und kürte Philipp Saalfrank mit seinem bestechenden Praxisteil zum Sieger des Abends.

Anerkennungspreise der Schulleitung erhielten alle neun diesjährigen Nominees, im Bild mit ihren jeweiligen W-Seminar-Leitern/-innen.

Damit endete der science slam, ein interessanter und abwechslungsreicher Vortragsabend, den die Schulgemeinschaft der Societas Annensis und allen engagierten Mitwirkenden verdankt.

(Renate Wohlmuth)