‚Anna 5.0‘ – Jubiläum unseres Standortes Schertlinstraße

Wer die im Direktorats-Gang aktuell aushängenden Kunstwerke von Schülern/-innen bewundert, mag sich fragen, was Themen wie ‚das geteilte Deutschland‘, Illustrationen zu Goethes „Erlkönig“, Stierkampfszenen oder Schönschrift-Proben mit unserer Gegenwart zu tun haben. Die Archiv-Ausstellung der Fachschaft Kunst stammt nicht zufällig aus den 1950er und 60er Jahren unserer Schulgeschichte – sie soll an den Ortswechsel des Jahres 1967 erinnern: „Eine alte Schule zieht an einen neuen Platz“, titelte die damalige Gedenkschrift aus Anlass der Verlegung des Gymnasiums bei St. Anna vom Hollbau im Annahof und dem Gebäude in der Fuggerstraße in die Schertlinstraße. Der offizielle Festakt für den Neubau am 27. Oktober jährt sich heuer zum 50. Mal. Suchten schon die Größenordnung und Lage des Gebäudes in der damaligen Augsburger Schullandschaft ihresgleichen, so galt seine Krönung mit einer hauseigenen Sternwarte als besonders zukunftsweisend, ja als Symbol jenes genius loci, der schon damals ‚aus Tradition modern‘ war. Dass ein so altehrwürdiges Gymnasium wie das unsere stets neue und oft eigene Wege ging, bewiesen 1967 auch das Sprachlabor und der Programmierte Unterricht – für ihn war unsere heutige Medienreferenzschule seinerzeit ‚Versuchsschule‘. Bei einer Gesamtschülerzahl von 492 besuchten immerhin 88 Mädchen das ‚Anna‘, denn als einziges staatliches Gymnasium Augsburgs war es damals koedukativ, machte also einen wichtigen Schritt in Richtung Emanzipation. Als das bisherige Schulprofil vorübergehend um einen neusprachlichen Zweig erweitert wurde, kam es allerdings erneut zu Raumnot, wie der damalige Schulleiter OStD Hessel im Jahresbericht 1966/67 prophezeit: „In Anbetracht der Anziehungskraft des modernen Schulbaus und der für St. Anna ungewöhnlich hohen Zahl an Neuanmeldungen […] kann jetzt schon gesagt werden, daß die vorhandenen Klassenräume nicht mehr ausreichen werden“. Dies führte zum Erweiterungs(an)bau, der im Februar 1973 bezogen wurde. Wie die später dort angesiedelte Mensa und Nachmittagsbetreuung HAnnA zeigen, ging mit dem räumlichen Wandel des Gymnasiums bei St. Anna wieder ein Profilwandel (nämlich zur Ganztagesschule) einher. Bei allem Fortschritt sorgt(e) die humanistische Tradition unserer Schule allerdings ebenso für Kontinuität wie das 2017 eingeführte neue bayerische Gymnasium – schon vor 50 Jahren war das ‚Anna‘ neunjährig.

(Die Schulleitung)