„Nur dadurch lebt der Mensch, dass er so gründlich vergessen kann, dass er ein Mensch doch ist.“ Mit dieser pessimistischen Zwischenantwort konfrontiert Brecht sein Publikum in der „Dreigroschenoper“ (1928). Schülerinnen und Schüler der Deutschkurse (Jgst. 13) genossen am Freitag die Premiere im Martinipark (Regie: Sapir Heller) mit einer provokanten Zuspitzung: Die Figuren leben ihre animalischen Triebe hyänenartig aus, umkreisen und beschnüffeln sich, schnappen nacheinander, kichern, jaulen, winseln, knurren, knacken.
Bilder der Aufführung findet man hier!
Polly, die Tochter von Peachums Firma „Bettlers Freunde“, heiratet den Gangster Macheath. Das gefällt den Peachums überhaupt nicht und sie beschließen, Macheath der Polizei auszuliefern. Macheath wird mehrfach verhaftet, aber immer wieder befreit. Die Schlussszene der Augsburger Inszenierung zeigt Macheath dann servierfertig als Fisch angerichtet auf einem üppig gedeckten Tisch und das Publikum glaubt fast, dass jetzt doch Recht gesprochen wird. Dann aber greift der Verfremdungseffekt und die Schauspielerinnen und Schauspieler diskutieren eifrig, ob nun nicht der reitende Bote des Königs, wie in Brechts Text vorgesehen, für ein Happy End sorgen müsse.
Die Fischmetapher bildet den roten Faden für die Inszenierung. Am Anfang liegt ein Berg toter Fische auf der Bühne, die kleinen Fische müssen sich alles gefallen lassen: Man tritt auf sie, jeder nimmt sich, was er will: der eine steckt sich die Fische in die Hose, die anderen verspeisen sie als Hochzeitsmahl. Sie gehen ins Netz, Macheath angelt sich die Frauen, Machaeth lässt die Leute an der Angel zappeln, nur der Haifisch schwebt unbeschadet über dem Horizont. Kapitalismus und Ausbeutung überall, doch nirgends Geld auf der Bühne? Der Fischberg ist das Kapital, mit dem Käscher holen sich die Peachums und Macheath die Fische, Cash also. – Uns hat es gefallen. Applaus!
(Dr. Claudia Weiser)
