{"id":13837,"date":"2026-04-27T17:21:28","date_gmt":"2026-04-27T15:21:28","guid":{"rendered":"https:\/\/gym-anna.de\/wordpress\/?p=13837"},"modified":"2026-04-30T14:13:12","modified_gmt":"2026-04-30T12:13:12","slug":"da-erst-begreif-ich-dass-ich-wohl-gestern-nacht-zum-ersten-mal-mir-selbst-gehoerte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gym-anna.de\/wordpress\/?p=13837","title":{"rendered":"\u201eDa erst begreif ich, dass ich wohl gestern Nacht zum ersten Mal mir selbst geh\u00f6rte.\u201c"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_13838\" style=\"width: 130px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/gym-anna.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Zerbrochne_Krug.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-13838\" class=\"wp-image-13838\" src=\"http:\/\/gym-anna.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Zerbrochne_Krug-150x150.png\" alt=\"\" width=\"120\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/gym-anna.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Zerbrochne_Krug-240x300.png 240w, https:\/\/gym-anna.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Zerbrochne_Krug-800x1000.png 800w, https:\/\/gym-anna.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Zerbrochne_Krug-768x960.png 768w, https:\/\/gym-anna.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Zerbrochne_Krug-1229x1536.png 1229w, https:\/\/gym-anna.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Zerbrochne_Krug-1638x2048.png 1638w, https:\/\/gym-anna.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Zerbrochne_Krug.png 1984w\" sizes=\"auto, (max-width: 120px) 100vw, 120px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-13838\" class=\"wp-caption-text\">Bild: Sophie Q12<\/p><\/div>\n<p>\u2026 Worte, die am Mittwoch, den 15.04. einige der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler des Anna-Gymnasiums aus der Q12 in Staunen versetzten. Mit ihren Deutschkursen besuchten sie das Drama \u201eDer zerbrochne Krug\u201c von Heinrich von Kleist im Residenztheater in M\u00fcnchen. Da das Werk seit Neueinf\u00fchrung des G9 eine der Pflichtlekt\u00fcren in der Oberstufe ist, waren sie im Theatersaal nicht die einzigen Abiturientinnen und Abiturienten unter den Zuschauern, welche sich neben einem sch\u00f6nen Abend eine schauspielerische Umsetzung des Werkes als Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Abiturvorbereitung nicht entgehen lassen wollten.<\/p>\n<p><span class=\"s1\"><span style=\"background-color: #99cc00;\"><!--more--><\/span><\/span>Auf den ersten Blick wirkte die Inszenierung auch ziemlich \u201eklassisch\u201c gehalten und wohl so, wie auch Kleist es sich damals vorgestellt h\u00e4tte. Doch kamen den Sch\u00fclern im Laufe des St\u00fcckes doch ein paar Fragen und Verwirrung bez\u00fcglich der gew\u00e4hlten Inszenierung auf. Wieso fehlt der Vater von Ruprecht, welcher doch so entscheidend f\u00fcr die Eltern-Kind-Dynamik des St\u00fcckes ist? Weshalb ist die eigentlich so starke Liebesbeziehung zwischen Eve und Ruprecht kaum zu erkennen und die letztendliche Vers\u00f6hnung weggefallen? Und vor allem: Weshalb wird das Attest, welches eigentlich erst gegen Ende des St\u00fcckes Eves Verhalten den Zuschauern erkl\u00e4ren soll, schon fast zu Beginn von Adam angesprochen? Die zentralen Gr\u00fcnde hierf\u00fcr liefert das Ende der Inszenierung.<br \/>\nIm Gegensatz zum bisherigen Verlauf ist dieses n\u00e4mlich alles andere als \u201eklassisch\u201c. W\u00e4hrend Richter Adam im Original von Kleist die Flucht ergreift und der Zuschauer ein Happy End serviert bekommt, sieht man hier statt eines Kusses, wie Ruprecht seine Eve bespuckt und ihr die Beleidigung \u201eMetze!\u201c ins Gesicht wirft. Ganz zum Schluss er\u00f6ffnet Eve: \u201eMein K\u00f6rper war ja unterworfen stets der Mutter, Arbeit und Dressur. Nun, wo eigenm\u00e4chtig ich den selbigen f\u00fcr dich verschleudert habe, da erst begreif ich, dass ich wohl gestern Nacht zum ersten Mal mir selbst geh\u00f6rte.\u201c<br \/>\nErst in der Nachbesprechung in der darauffolgenden Deutschstunde wurde klar, dass das Ende der Inszenierung die entstandenen Fragen beantwortet: W\u00e4hrend Kleist den Fokus vor allem auf den sich wider Willen selbst richtenden Adam und die endg\u00fcltige Vers\u00f6hnung der beiden Familien zum Schluss legte, lag der Schwerpunkt des Residenztheaters auf Eves gefundener Selbstbestimmung, wodurch ein wichtiges feministisches Zeichen gesetzt wurde. Im urspr\u00fcnglichen Drama zeigten die Figuren Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Eves Lage, nachdem sie diese ausgesprochen hatte, w\u00e4hrend sie in der Inszenierung daf\u00fcr verurteilt wurde, ihren eigenen K\u00f6rper jedoch trotzdem \u00fcber die Zw\u00e4nge der so urteilsreichen Gesellschaft setzt.<br \/>\nWenn wir aktuelle politische Ereignisse anschauen, zum Beispiel den Fall Fern\u00e1ndez oder auch US-Pr\u00e4sident Trumps Politik zu Abtreibungen, zeigt uns das die anhaltende Aktualit\u00e4t der Botschaft von \u201eDer zerbrochne Krug\u201c und insbesondere dieser Inszenierung. Auch heutzutage haben Frauen noch immer nicht die uneingeschr\u00e4nkte Macht \u00fcber ihren K\u00f6rper, selbst wenn wir das im Alltag oft nicht bemerken.<\/p>\n<p>(Emma Satzger, Frieda D\u00f6hring, Q12)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2026 Worte, die am Mittwoch, den 15.04. einige der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler des Anna-Gymnasiums aus der Q12 in Staunen versetzten. Mit ihren Deutschkursen besuchten sie das Drama \u201eDer zerbrochne Krug\u201c von Heinrich von Kleist im Residenztheater in M\u00fcnchen. 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