{"id":1320,"date":"2017-01-16T22:47:27","date_gmt":"2017-01-16T21:47:27","guid":{"rendered":"http:\/\/gym-anna.de\/wordpress\/?p=1320"},"modified":"2017-02-07T17:29:46","modified_gmt":"2017-02-07T16:29:46","slug":"ein-halbes-jahr-im-friedensdorf-international","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gym-anna.de\/wordpress\/?p=1320","title":{"rendered":"Ein halbes Jahr im Friedensdorf International"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.gym-anna.de\/joomla\/images\/M_images\/20151213_150844%20Andere.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Das Friedensdorf International hat es sich zur Aufgabe gemacht, kranke und verletzte Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten zur vor\u00fcbergehenden medizinischen Versorgung nach Deutschland zu holen, wenn ihnen in ihrer Heimat nicht ausreichend geholfen werden kann. Die Kinder werden kostenlos in Krankenh\u00e4usern in ganz Deutschland behandelt und wohnen w\u00e4hrend der Rehabilitationsphase in der Heimeinrichtung des Friedensdorfes in Oberhausen. Im Anschluss werden alle Kinder wieder zu ihren Familien in ihre Heimatl\u00e4nder zur\u00fcckgebracht, wo sie bei Bedarf noch weiterhin vom Friedensdorf mit Medikamenten und Verbandsmaterial versorgt werden. Neben dieser Einzelfallhilfe unterst\u00fctzt das Friedensdorf durch Projektarbeit verschiedene L\u00e4nder bei der Verbesserung der medizinischen Infrastruktur und will durch friedensp\u00e4dagogische Arbeit in Deutschland soziales Bewusstsein und Engagement f\u00f6rdern. Dabei besteht die M\u00f6glichkeit von Praktika, wie Lea M\u00fcller, ehemalige Annenserin, eines absolviert hat.\u00a0Ihren\u00a0Erfahrungsbericht\u00a0stellt sie unserer Schule zur Ver\u00f6ffentlichung zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Frieden \u2013 ein gro\u00dfes Wort. Doch in Deutschland mussten wir uns als Kinder wenig Gedanken dar\u00fcber machen. Frieden im Heimatland \u2013 das w\u00fcnschen sich die Friedensdorfkinder ebenso, wie nat\u00fcrlich wieder gesund zu Mama und Papa heimzukehren. Denn jedes Kind im Friedensdorf hat seine eigene Geschichte zu erz\u00e4hlen, die es aus seiner Heimat f\u00fcr mehrere Monate zur medizinischen Behandlung nach Deutschland f\u00fchrt. Ich bin hier an einem einzigartigen Ort gelandet und werde im n\u00e4chsten halben Jahr Erfahrungen sammeln, die man in dieser Art nur hier machen kann. Mit den ersten Sonnenstrahlen mache ich mich auf den Weg zu den H\u00e4usern \u201eRot 1-3&#8243;, wo die kleinsten unserer Sch\u00fctzlinge wohnen. Kaum \u00f6ffne ich die T\u00fcre, klammern sich die Kleinen an meine Beine und begr\u00fc\u00dfen mich st\u00fcrmisch. Diese ehrlich gemeinte Freude der Kinder dar\u00fcber, dass ich komme, und ihr \u201eLea, du viele gutie&#8220; (was im Friedensdorf so viel hei\u00dft wie: Du bist lieb) zeigen mir jeden Tag aufs Neue, warum meine Arbeit hier so wichtig ist. \u201eEins \u2013 zwei \u2013 drei \u2013 FRIIIIIIEDEEEEEN!! Guten Appetit \u2013 danke!&#8220;, rufen rund 150 Kinder vor jedem Essen als religionsneutrales Tischgebet durch den Speisesaal des Friedensdorfes. Mich bewegt dieser Moment immer wieder. Die Welt wirkt so klein, wenn sich alle Kinder aus Zentralasien und Afrika und mittendrin noch die deutschen und japanischen Mitarbeiter an den H\u00e4nden halten. Das gemeinsame Essen zeigt mir jedes Mal auf besondere Weise, wie einfach und kinderleicht Frieden sein kann. Kinder haben keine Vorurteile, sie schauen nicht auf Hautfarbe oder k\u00f6rperliche Einschr\u00e4nkungen. Davon k\u00f6nnen Erwachsene noch viel lernen. Ein kleiner Junge bringt einem anderen seine Fl\u00fcssignahrung und mir gegen\u00fcber beobachte ich ein kleines M\u00e4dchen, das ganz selbstverst\u00e4ndlich und ohne dar\u00fcber nachzudenken ein zweites Brot schmiert und ihre \u00e4ltere Freundin damit f\u00fcttert, weil diese keine H\u00e4nde hat. Klein und Gro\u00df hilft sich gegenseitig und gemeinsam schafft man hier alles.<\/p>\n<p>Nach dem Essen laufe ich \u00fcber den Dorfplatz und h\u00f6re von \u00fcberall her lautes Lachen, denn das kann wirklich jedes Kind im Friedensdorf. Die Lebensfreude ergreift und erf\u00fcllt jeden und man ist fasziniert von der Unbeschwertheit der Kinder. Au\u00dfenstehende fragen sich oft, ob die Kinder nicht deprimiert \u00fcber ihre Krankheiten sind. Doch wer auch nur einmal einen Fu\u00df ins Friedensdorf setzt, wird sehen, dass die Kinder viel zu sehr damit besch\u00e4ftigt sind, ihr Leben zu genie\u00dfen, gl\u00fccklich zu sein und der Krankheit einfach keinen gro\u00dfen Platz im Leben zuzugestehen. Trotzdem ist es mittlerweile an der Zeit, ein paar Kinder in die Reha zu bringen, wo Verb\u00e4nde gewechselt und Wunden versorgt werden und im Nebenraum kr\u00e4ftig bei der Krankengymnastik trainiert wird. In der Zwischenzeit k\u00fcmmere ich mich mit den Mitarbeitern und den anderen Praktikanten um die Kinder: Wir malen, basteln, spielen, machen Musik, gehen auf den Spielplatz oder in die Turnhalle und manchmal machen wir sogar einen Spaziergang, gehen schwimmen oder backen Pl\u00e4tzchen und Muffins. F\u00fcr die etwas Gr\u00f6\u00dferen gibt es zum einen das Lernhaus, wo sie Grundlagen im Lesen, Schreiben und Rechnen lernen, zum anderen wird von ehrenamtlichen Mitarbeitern eine Holzwerkstatt und eine N\u00e4hstube betrieben, wo die Kinder handwerkliche F\u00e4higkeiten, die in den Heimatl\u00e4ndern sehr wichtig sind, erwerben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Nach meiner Schicht bin ich ganz sch\u00f6n geschafft, aber trotzdem setzte ich mich noch zu ein paar angolanischen M\u00e4dchen, die sich die bunteste Wolle in ihre Haare einflechten und damit wundersch\u00f6ne Frisuren kreieren. Mir scheint die Sonne ins Gesicht und ich h\u00f6re aus dem CD-Player das Lieblingslied der Friedensdorfkinder und habe das Gef\u00fchl angekommen zu sein:<\/p>\n<p>\u201eGlaub mir irgendwann<\/p>\n<p>Wird die Liebe regieren<\/p>\n<p>Wir haben nichts mehr zu verlieren<\/p>\n<p>Die Zeit l\u00e4sst die Wunden heilen<\/p>\n<p>Du bist genau wie ich und nicht allein<\/p>\n<p>Ich bin nah bei dir, gemeinsam schaffen wir Gro\u00dfes hier [ &#8230; ]<\/p>\n<p>Komm wir bring&#8217;n die Welt zum Leuchten<\/p>\n<p>Egal woher du kommst<\/p>\n<p>Zu Hause ist da, wo deine Freunde sind<\/p>\n<p>Hier ist die Liebe umsonst!&#8220;<\/p>\n<p>Das Friedensdorf bietet jungen Menschen die M\u00f6glichkeit eines Praktikums im Heimbereich, in der Reha, dem Lernhaus, der K\u00fcche, dem Bildungswerk, der \u00d6ffentlichkeitsabteilung, dem Fahrdienst und in der Hausmeisterei. Praktikanten sollten mindestens drei Monate (im Heimbereich und in der Reha mindestens sechs Monate) Zeit mitbringen und erhalten auf dem Gel\u00e4nde in einer WG mit den anderen Freiwilligen freie Kost und Logis. Das Friedensdorf freut sich auf euch! Weitere Informationen findet ihr unter https:\/\/www.friedensdorf.de\/Praktikum.html<\/p>\n<p>Der Transport der Kinder aus ihren krisengesch\u00fcttelten Heimatl\u00e4ndern zur medizinischen Versorgung in Europa, ihre Unterbringung, Verpflegung und Betreuung, orthop\u00e4dische Hilfsmittel \u2013 all das ist n\u00f6tig, um effektive Hilfe f\u00fcr die jungen Opfer von Kriegen und Krisen zu leisten. Um dies zu tun, braucht es neben Idealismus vor allem eines \u2013 es braucht Geld. Das Friedensdorf wird fast ausschlie\u00dflich aus Spenden finanziert. Dieses Geld kommt erfahrungsgem\u00e4\u00df nicht durch einige wenige Gro\u00dfspenden zusammen. Es sind die zahlreichen kleineren Spenden, die diese Arbeit erm\u00f6glichen. Daher ist jeder Spendenbetrag willkommen. Jeder Euro wird gebraucht! https:\/\/www.friedensdorf.de\/Spenden.html<\/p>\n<p>(Lea M\u00fcller, ehemalige Annenserin, Abiturjahrgang 2015)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Friedensdorf International hat es sich zur Aufgabe gemacht, kranke und verletzte Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten zur vor\u00fcbergehenden medizinischen Versorgung nach Deutschland zu holen, wenn ihnen in ihrer Heimat nicht ausreichend geholfen werden kann. 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