„Der Besuch der alten Dame“ führt Claire Zachanassian zurück in den Ort ihrer Jugend, Güllen (ein sprechender Name!). Mit dabei hat sie einen Tross an Dienern, ihren aktuellen Ehemann (Nummer 8?) und außerdem: eine Milliarde Euro und einen Sarg. Reich ist Claire geworden, doch glücklich nicht – deshalb kehrt sie nun zurück, um sich Gerechtigkeit zu erkaufen.
Der Deal: Sie verhilft mit ihrem Vermögen dem heruntergekommenen Städtchen zu neuem Glanz, wenn die Güllener ihre Jugendliebe Alfred Ill töten. Der zog sich nämlich aus der Verantwortung, als sie damals von ihm schwanger geworden war. Für Claire der Beginn einer rastlosen Lebensodyssee, während Alfred in Güllen eine Familie gründete, ein biederes Leben als Geschäftsmann aufbaute und einiges Ansehen gewann.
Doch das bröckelt rasch, als die Güllener den Reichtum wittern. Und so bleiben sowohl das Geld als auch der Sarg in Güllen. Ob Claires Odyssee damit zu Ende ist, bleibt indes offen.
Ulrich Merks Theatergruppe brachte die Tragikkomödie von Friedrich Dürrenmatt (1956) in einem ausdrucksstarken Schauspiel auf die Bühne. Die Fassaden der Häuser knallbunt, das Licht bisweilen mystisch-düster, die Protagonisten herrlich komisch überzeichnet (Claire und Nummer 8 im Echtpelz, ihre Diener angeleint) und die Güllener plakativ: Man war schnell „angekommen“ in diesem Stück und ließ sich von der engagierten Gruppe mitreißen. Ganze 24 Schauspielerinnen und Schauspieler der Oberstufe nahmen das Publikum mit in ihr Bühnen-Kaff und führten eindrucksvoll vor Augen, wie leicht Geld den Charakter verderben kann – aber allein nicht glücklich macht.
Musikalisch eingerahmt wurde die Handlung von e-verstärkten Geigenklängen. Für Licht und Akustik sorgte das Technikteam.
(Anna Schreiber)
